Reisebericht Südpolen 2009

Die Mehrtagesfahrt der Lachendorfer LandFrauen führte in diesem Jahr nach Südpolen.

Mit 37 Personen starten wir am Montag, 4.05.2009 und fahren mit dem Bus bei herrlichem Sonnenschein durch die frühlingshafte Natur Richtung Breslau. Blauer Himmel, Sonnenschein, hin und wieder ein leuchtendes Rapsfeld, blühende Büsche und Bäume, dazwischen das leuchtende Grün der Wiesen und Wälder, die lange Fahrt war schon Erholung.

Unterwegs steigt unser polnischer Reiseführer zu uns in den Bus und gegen 19 Uhr erreichen wir unser erstes Ziel, die Stadt Breslau. Es ist schon spät, aber die Einladung zu einem Spaziergang durch die Altstadt nehmen wir gern an. Vorbei an wundervollen Bauten im Patrizierstil lauschen wir unserem Reiseleiter, der uns die wechselvolle Geschichte von Breslau nahe bringt. Der hell erleuchtete  Blumenmarkt inmitten der Altstadt ist sehenswert. Das Leben konzentriert sich nach wie vor auf dem Hauptplatz der mittelalterlichen Stadt, auf dem Breslauer Ring. Hier laden Cafes und Restaurants zum Verweilen ein. Jedoch den Bierkeller im alten Rathaus aus dem 15. Jahrhundert sollte man nicht außer Acht lassen. Meine Mitreisenden haben mir bestätigt, dass das Bier in dem alten Kellergewölbe besonders gut schmeckt.

Gut erholt verlassen wir unser Hotel am nächsten Morgen und begeben uns auf eine Stadtrundfahrt. Breslau ist mit 640.000 Einwohnern die 4-größte Stadt Polens. Es finden sich viele Grünanlagen und Parks, pro Einwohner sind es 25 m² Grünfläche.

Im Norden der Altstadt, am Oder-Ufer, liegen die Gebäude der Universität. Die Leopoldina-Aula im Inneren ist einer der schönsten Barocksäle Polens. Noch ein kurzer Besuch in der Kathedrale und ein Spaziergang zur Donau-Insel, dann müssen wir uns leider von dieser schönen Stadt verabschieden.
Für heute steht noch ein Höhepunkt unserer Reise auf dem Programm: Der Wallfahrtsort Tschenstochau zählt zu den meistbesuchten Orten der ganzen Welt. Millionen gläubiger Katholiken ziehen  jährlich zum Klosterhügel Heller Berg. Das Ziel ist eine kleine Ikone, die Schwarze Madonna. Wir sind überwältigt beim Anblick dieser Ikone. Bei einem Gang durch den Rittersaal, die Kapelle und durch die Schatzkammer sind wir beeindruckt von der Schönheit und dem Reichtum. Viele tausend Gnadengaben sind hier ausgestellt, sie sind allesamt Zeugnisse von Dankbarkeit. Spät am Abend erreichen wir unser neues Ziel, es ist die Stadt Krakau.
Man sagt, jeder einzelne Stein der historischen Altstadt könnte eine Geschichte erzählen. Die Altstadt von Krakau und der Wawelberg zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auf der Rundfahrt durch die Stadt machen wir Rast am Schloss und besichtigen die königlichen Gemächer, es mangelt nicht an Pracht und Prunk. Wir gehen in den Dom und lassen es uns nicht nehmen, über eine Stiege durch das Gewirr der Holzbalken zu klettern, um zur Sigismund-Glocke zu gelangen. Die Glocke wurde 1520 aus Munition und Waffen gegossen. Wer die Glocke heute berührt, darf sich etwas wünschen.
Unser Spaziergang durch die Altstadt führt uns zur Marienkirche. Der Hauptaltar ist ein Juwel spätgotischer Schnitzkunst. Er wurde von dem Nürnberger Feit Stoß erschaffen in der Zeit von 1477 bis 1489. Noch heute erklingt die Trompetenfanfare vom Turm zur Erinnerung an die im 13. Jahrhundert vor den einfallenden Mongolen gerettete Stadt.
Wir haben jetzt noch etwas Zeit und können uns der Objekte annehmen, die wir noch näher betrachten möchten, u.a. sind es die Tuchhallen. Der aus dem 14. Jahrhundert stammende Komplex wurde in der Renaissance kunstvoll umgestaltet. Typisches Kunsthandwerk aus der Region wird hier zum Kauf angeboten.
Am folgenden Morgen fahren wir durch eine reizvolle Landschaft zum Pieninski Nationalpark. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, die Landschaft ist hügelig, im Hintergrund die schneebedeckten Berge der Hohen Tatra.
Wir freuen uns auf eine Fahrt mit dem Floß aus dem Fluss Dunajec. Noch etwas zögerlich besteigen wir mit jeweils 10 - 12 Personen ein Floß. Begleitet von 2 jungen Flößern beginnt die Fahrt. Was wir dann erleben, kann man nicht beschreiben, man muss dabei gewesen sein: Es ist einfach schön. Schroffe Felsen, an denen kleine Blumen blühen, die verschiedenen Baumarten im zarten Maigrün, blauer Himmel. Sonnenschein, Ruhe, Natur pur. Balsam für die Seele, hin und wieder eine Vogelstimme, das Rauschen der kleinen Wellen, die sich an den Steinen brechen. Wir sehen am Ufer einen Schwarzstorch, ein Kuckuck ruft. Unsere Flößer erklären uns, dass wir uns im Grenzgebiet zwischen Polen und der Slowakei befinden. Der Fluss Dunajec ist die Grenze zwischen den beiden Ländern. Bei einem Blick zurück sehen wir die schneebedeckten Berge der Wintersportmetropole  Zakopane. Nach 3 Stunden erreichen wir den Ort Szczawnica. Hier endet unsere Floßfahrt. Wir bedanken uns bei den Flößern, die uns die traumhafte Landschaft so nahe gebracht haben und verlassen trockenen Fusses unsere Boote.
Anschließend fahren wir weiter nach Wieliczka. Hier wollen wir das Salzbergwerk besichtigen. Schon im 12. Jh. wurde hier Salz abgebaut. Das Salzbergwerk zieht mit seinen berühmten unterirdischen Kirchen und den fantastischen Salzskulpturen zahlreiche Besucher an. Von der UNESCO wurde das Bauwerk auch zum Weltkulturerbe erklärt.
Mit einem früheren Bergmann gehen wir in das Bergwerk hinunter. Bei der Besichtigung lernen wir einen kleinen Ausschnitt der insgesamt 300 km zählenden unterirdischen Gänge kennen. Von der Schönheit und der Weite sind wir fasziniert, ein Förderkorb bringt uns dann wieder aus 150m an das Tageslicht.
Am vorletzten Tag unserer Reise werden wir mit dem düsteren Kapitel unserer Geschichte konfrontiert. Wir fahren mit unserem Bus nach Auschwitz und dann weiter nach Birkenau. in dem 1940 errichteten Lager wurden zunächst die intellektuelle Elite Polens, sowjetische Kriegsgefangene und Staatsbürger aus zwei Dutzend anderer Nationen inhaftiert, Im Lager Birkenau wurden ab 1942 über 1 Million Menschen umgebracht. Die Gedenkstätten in Auschwitz und Birkenau erinnern an die Menschen, die hier dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer fielen.
Bei einer Führung erhält man Hintergrundinformationen, aber auch die Sachlichkeit der Fremdenführerin vermindert das Grauen nicht. Der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz und Birkenau hat die Mitglieder unserer Gruppe sehr berührt und nachdenklich gemacht.
Bevor wir nach Krakau zurück kommen, besuchen wir noch den Geburtsort des Karol Wojtyla, die Stadt Wadowice. Er war als Papst Johannes Paul II. eine Persönlichkeit, an den sich die Polen und viele Katholiken noch heute gern erinnern. Wir machen einen Rundgang durch sein Geburtshaus und besichtigen die Marienkirche. Hier wurde der Papst als kleines Kind getauft. Die Kirch hat eine wundervolle Akustik, so dass wir gemeinsam den Kanon Laudate omnes gentes, Laudate dominum singen.
Am Sonnabend treten wir unsere Heimreise an. Wir verabschieden uns von Krakau, vorbei an leuchtenden Rapsfeldern und blühenden Wiesen, hin und wieder zeigt sich ein Storch. Auch heute scheint die Sonne, der Himmel ist blau. Es ergibt sich eine Farbenvielfalt von Blau-, Gelb- und Grüntönen. Gedanklich lassen wir die Woche Revue passieren.
Wir erreichen die Stadt Breslau und verabschieden uns von unserem Reiseleiter. Er hat uns die kulturellen Sehenswürdigkeiten und die Kunstschätze seines Landes sehr nahe gebracht. Desgleichen hat er den geschichtlichen Hintergrund sehr verdeutlicht. Es war eine Freude, ihm zuzuhören. Als wir die polnische Grenze verlassen, haben wir fast 1500 km in Polen zurückgelegt. Wir erreichen am Abend wohlbehalten unsere Heimat in Lachendorf bzw. Ahnsbeck,
Ein herzliches Dankeschön an die Damen und Herren, die zum Gelingen dieser schönen Reise beigetragen haben!

Verfasserin: Marta Schweitzer



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Reisebericht Polen 2009






 

              

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